Baumwolle ist eine Kulturpflanze, die vor allem in subtropischen Ländern wie der Türkei, Pakistan und Indien, aber auch in den USA angebaut wird. Baumwolle hat eine lange Wachstumszeit, deshalb wird aus Gründen der Profitabilität in der Regel auf Zwischenfrüchte verzichtet. Damit sinkt die Qualität der Böden, und Unkräuter, die durch eine wechselnde Fruchtfolge am Gedeihen gehindert werden, schaden dem Boden zusätzlich.

Nachteile des konventionellen Baumwollanbaus

Im konventionellen Anbau sind hohe Baumwollerträge nur mittels starkem Einsatz von Chemikalien möglich. Dazu einige Fakten:

  • Um die Baumwolle für ein T-Shirt anzubauen, werden rund 150 g Gift auf dem Acker versprüht. Für kein anderes landwirtschaftliches Anbauprodukt werden so viele Pflanzengifte eingesetzt wie bei der Baumwolle.
  • Mittlerweile stammen rund 75 Prozent der weltweit erzeugten konventionellen Baumwolle von genmanipulierten Pflanzen.
  • Der Baumwollanbau für ein einziges T-Shirt verschlingt bis zu 2000 Liter Wasser – über 10 Badewannen voll.
  • In der Textilproduktion und -veredelung werden etwa 8000 verschiedene Chemikalien und rund 4000 Farbstoffe eingesetzt.
  • Nicht selten liegt der Naturfaseranteil von einem vermeintlichen „100-Prozent“-Baumwoll-T-Shirt gerade mal bei 75 Prozent. Die restlichen 25 Prozent sind Farbstoffe, Weichmacher und andere Chemikalien.

Arbeitsbedingungen in der konventionellen Baumwollindustrie

  • 99 Prozent der weltweiten Baumwollbauern leben in Entwicklungsländern und bewirtschaften weniger als 2 Hektar. Während diese um ihr Überleben kämpfen, drücken Agrarsubventionen die Weltmarktpreise in den Keller. 
  • Europäische Bauern erhalten mit 5 US-Dollar pro Kilogramm Baumwolle die höchsten Subventionen weltweit.
  • Ein Arbeitstag dauert bis zu 14 Stunden, und gearbeitet wird an 6 bis 7 Tagen in der Woche. Der Lohn in Bangladesch beträgt zwischen 15 und 30 Euro pro Monat.
  • Die Lohnkosten für eine 100-Euro-Jeans betragen gerade einmal 1 Euro.

Seit Anfang der Neunzigerjahre findet daher ein Umdenken statt. Immer mehr Produzenten gehen über zu einer umweltschonenden Erzeugung von Bio Baumwolle statt. 

Was ist Bio-Baumwolle?

Bio-Baumwolle wird nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus produziert. Diese zeichnet sich aus durch die Verwendung gentechnisch unveränderter Pflanzen, wie durch den Verzicht auf künstliche Chemikalien und Düngemittel, aus. Außerdem müssen die Bauern einen Fruchtwechsel einhalten. Das heißt, die Baumwolle wird im Wechsel mit anderen Kulturen angebaut. Dies dient ebenfalls der Bodenpflege und beugt der Vermehrung von Schädlingen und Krankheiten vor. Bio-Baumwolle wird von Hand geerntet.

Vorteile von Bio-Baumwolle

  • Mit dem Kauf eines einzigen Baumwoll-T-Shirts aus biologischer Baumwolle bewahrt man rund 7 Quadratmeter Anbaufläche vor Pestiziden und Kunstdünger. 
  • Organische Baumwolle wird heute bereits in 22 Ländern produziert. Die größten Produzenten sind die Türkei, Indien, USA und China. In Afrika wird Biobaumwolle bereits in 8 Ländern angebaut.
  •  Die Begriffe „Bio“, „Öko“ oder „aus kontrolliert biologischem Anbau“ (kbA) sind wie bei Lebensmitteln auch bei dem landwirtschaftlichen Rohstoff Baumwolle geschützt. Sie dürfen nur verwendet werden, wenn die Richtlinien des ökologischen Landbaus eingehalten werden.
  • Der Global Organic Textile Standard (GOTS) und das Zertifikat Naturtextil Best stellen derzeit die höchsten ökologischen und sozialen Kriterien an die Textilindustrie. Mit diesen beiden Labels sind Sie auf der sicheren Seite.
  • Die Herstellung von Textilien ist immer mit Umweltbelastungen verbunden. Die Kleidung, die am längsten getragen wird, hat letztendlich die beste Ökobilanz. Deshalb sollten Sie Wert auf Qualität statt Quantität legen und so wenig Kleidung wie möglich kaufen
  •  Ein gesellschaftlicher Vorteil von Bio-Baumwolle ist, dass durch den Anbau die soziale Gerechtigkeit in den Produzentenländern gesteigert wird. Frauen haben die Möglichkeit, ihr eigenes Stück Land zu erhalten und dies zu bestellen. Sie werden gefördert und können ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen. Dies ist ein großer Fortschritt in den Ländern, in denen Frauen normalerweise keinen hohen Stand in der Gesellschaft haben.

Fazit

Bio-Textilien sind in der Regel teurer als herkömmlich hergestellte Stoffe. Wägt man die Vorteile und Nachteile von Biobaumwolle ab, wird deutlich, dass der höhere Preis für den biologischen Anbau durch sehr gute Qualität und Tragekomfort kompensiert wird. Biobaumwolle ist gedacht für diejenigen Verbraucher, die mehr Natur in der Mode suchen, Tragekomfort wünschen und dafür auch bereit sind, einen höheren Preis zu zahlen. Die Umwelt und die Arbeiter in den Anbauländern werden es Ihnen als Endverbraucher danken.